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Der Instagram Automation-Test – Vier Wochen im Selbstversuch

Groß war der Aufschrei als vor einigen Monaten über Nacht scheinbar zahlreiche Profile von der Plattform Instagram gelöscht wurden. Solche Löschwellen sind nichts Neues, allerdings trifft es dabei meist Fake- oder Ghost-User, die schon lange inaktiv sind. Einerseits will man so dem sogenannten Influencer Fraud (also den Betrug durch werbetreibende Instagram User) vorbeugen, andererseits länger ungenutzte Profilnamen wieder freigeben. Diesmal waren aber auch Profile von echten Usern betroffen, wie es zunächst den Anschein hatte. Am nächsten Tag waren alle (echten) Userprofile aber wieder sichtbar. Instagram selbst begründete den Bug mit einem Anzeigefehler.

Im Zuge diverser Influencer Recherchen haben wir uns schon oft mit den Themen Influencer Fraud und Automation auseinander gesetzt. Zu ersterem wird es in nächster Zeit noch einen gesonderten Blogartikel geben, in dem wir euch verraten, wie ihr erkennen könnt, ob bei einem Account ein bisschen nachgeholfen wurde. Heute soll es aber um Bots gehen.

Experiment: 4 Wochen mit Instagram-Bots

Eine notwendige Eigenschaft eines jeden Werbers ist ja die Neugier. Daher hat mich trotz aller Skepsis und regelrechter Ablehnung auch das Thema Instagram-Bots nicht losgelassen. Wieso greifen so viele Influencer auf diese Methode zurück? Da muss doch was dahinter sein. Also habe ich es ausprobiert. Ich habe sie alle ausprobiert, die Bots. Außer Jarvee, den gibt es nämlich nur für Windows. Je eine Woche habe ich verschiedene Bots konfiguriert und getestet. Die Ergebnisse waren bei jedem ähnlich, daher gehe ich nicht näher auf die Unterschiede ein. Der Trick ist scheinbar einfach, eine gesunde Portion an Engagement zu generieren. Einige Mythen ranken sich ja um Instagram Bots, mit diesen möchte ich hier kurz aufräumen:

Automation kann zurückverfolgt werden

Das mag früher so gewesen sein, heute trifft diese Aussage nicht mehr zu. Es hängt natürlich immer vom User ab – blind drauf los zu schalten bringt bei keiner Marketingmaßnahme etwas. Das Tool muss gut konfiguriert werden. Die Kunst liegt auch hier darin, den Bot so menschlich wie möglich aussehen zu lassen. Dann sieht man auch in Socialblade und Co. keine steilen Anstiege, die missinterpretiert werden können, sondern fast schon lineares Wachstum. Zurückverfolgen lässt sich nur schnelles Wachstum (z.B. Followerkauf), jedoch muss man auch hier differenzieren und Relationen beachten. Ein paar Hundert Follower mehr über Nacht hinterlassen bei einem kleinen Account zwar Spuren, können aber unter Umständen auch durch einen viralen Post oder ein Shoutout verursacht sein.

Bots ziehen Bots an

Das stimmt so nicht ganz. Eigentlich zieht jeder Bots an. Vor allem durch das Verwenden von generischen und großen Hashtags. Dadurch häufen sich Spamkommentare unter den Postings. Dies liegt aber nicht direkt an den Bots, sondern wie oben bereits erwähnt an deren Konfigurierung oder einem Mangel an Recherchearbeit.

Instagram erkennt Bots und könnte den User sperren

Als ich begonnen habe, diesen Blogpost zu schreiben, habe ich diese These noch mit “Jein” kommentiert. Inzwischen hat sich aber in der App einiges getan und wie bereits vor einem Jahr erwähnt, wird den Bots seitens Instagram der Kampf angesagt. Mittlerweile sind einige Bots auf der Blacklist von Instagram. Das bedeutet, verwendet ihr einen dieser Bots, erkennt Instagram das (weil ihr ja eure Anmeldedaten mit dem Bot teilt) und kann euch sperren. Das ist auch mir passiert, als ich eine Like-Automatisierung verwendet habe. Seit einiger Zeit sind solche reinen Like-Bots gar nicht mehr verfügbar, da sie nicht mehr auf die Instagram API zugreifen können.

Instagram sperrt auch (echte) User, die zu viel interagieren. Ja, auch das gibt es. Wenn also zu viele Likes oder Follows – ob automatisiert oder nicht – an einem Tag vergeben werden, kann es sein, dass die Plattform den jeweiligen User als Spamer einstuft. Dies gilt übrigens auch für zu viele Posts auf der eigenen Seite an einem Tag. Deshalb sollte man es auf keinen Fall übertreiben, bei welchen Aktivitäten auch immer.

Sollte ein Account einmal gesperrt sein, hilft folgendes:

  1. Geduld bewahren. Nach ein paar Tagen wird er üblicherweise wieder freigeschaltet.
  2. Noch mehr Geduld aufbringen. 2-3 Tage nach dem Freischalten sollte erstmal nichts gepostet und nicht interagiert werden.
  3. Langsam wieder anfangen. Nach dieser Phase kann langsam wieder geliked und kommentiert werden. Nicht mehr als einen Post pro Tag absenden!
  4. Nach ca. 2 Wochen sollte die Plattform wieder Vertrauen in euren Account gefasst haben. Übertreibt es trotzdem nicht gleich wieder, sondern steigert eure Aktivitäten langsam weiter bis zum gewohnten Level.

Fazit: Der Weg ist nicht immer das Ziel. Das Ziel ist das Ziel.

Auch wenn ich in der Vergangenheit gegenüber Bots eher skeptisch eingestellt war, habe ich meine Meinung mittlerweile geändert. Manchmal kommt es nicht darauf an, einen schönen, gleichmäßigen Lösungsweg vor sich zu haben, sondern einen, der einen dorthin führt, wo man ankommen möchte. Bots können dabei eine große Hilfe sein und einem die ein oder andere Abkürzung aufzeigen. Allerdings solltet ihr immer darauf achten, euren Bot so “menschlich” wie möglich aussehen zu lassen, sonst kann es schon einmal vorkommen, dass euer Profil gesperrt wird.

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