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Mobile Applikationen - there's an app for that!

Mit Smartphones und den zugehörigen Softwareplattformen wie Apple’s AppStore und Google Play hat sich ein völlig neuer Markt für Software eröffnet. Noch nie war es so einfach ein Programm zu entwickeln und praktisch ohne Umweg auf die Hardware des Endnutzers zu transportieren, um dort auf Dauer in dessen Blickfeld zu verharren. Die Werbewirtschaft hat das Offensichtliche erkannt und versucht verkrampft Kapital daraus zu schlagen. Mit der Sinnhaftigkeit allerdings ist es oftmals so eine Sache: Die steht auf einem anderen Blatt, da es sich bei den meisten Apps nur um teure, weniger funktionale Webseiten handelt.

Wir sind im AppStore!

Die Verlockung ist einfach zu groß. Als Button mitten auf dem Display am besten aller Handys für die kaufkräftigen Teenager und Twens vertreten zu sein – welcher Werbetreibende bekommt da keine feuchten Träume? Kombiniert wird das mit den extrem ausgereiften Entwicklungstools der Plattformanbieter, die für das Erstellen von simplen Programmen weder ausreichend Fachkenntnis noch Gewissen einfordern. Das Ergebnis: Visitenkarten-Apps. Deshalb haben wir hier einen kleinen Leitfaden, um den gemeinsten Fallen zu entgehen.

App vs. Website

Steht in Frage, ob eine eigene App notwendig wird, sollte man im Normalfall erst die Website untersuchen. Welche Features soll die App beinhalten die auf der Website nicht vorhanden beziehungsweise umsetzbar sind? Indikatoren dafür wären:

  • Aufwändige Animationen bzw. 3D-Modelle
  • Upload bzw. Verwaltung von Bildern und Dokumenten
  • Integration von Hardwarefeatures wie Kamera, Kompass oder Accelerometer
  • Bestimmung der aktuellen Position
  • Benachrichtigungen
  • Zugriff auf Daten im Telefon (“Wir hätten gern alle Daten” zählt nicht!)

Trifft selbst nach intensiver Überlegung keiner der oben genannten Punkte zu, ist man vermutlich mit einer mobil optimierten Website besser beraten. Menschen die mit 500€-Apps diese temporäre Marktlücke füllen wollen sind zwar anderer Meinung, aber der Weg über die jeweiligen AppStores ist kein Vertriebsgarant sondern ein Umweg.

Die Zeiten, in denen man tatsächlich noch jemanden findet, der sich die Speisekarte von “Waltraud’s Wilden Würsteln” als App für zuhause lädt, um sie in Momenten der Muße zu studieren und eventuell von einem Fleischwarenspontankaufimpuls übermannt wird, sind definitiv vorbei. Viel wahrscheinlicher ist, dass der potentielle Kunde Hunger verspürt und Google bemüht, ob Waltraud’s Würstel heute wohl noch wild sind. Kurz darauf kapituliert sein Smartphone vor einer Flash-Website aus den frühen Neunzigern, da das Geld für’s Redesign in einer top-modernen iPhone App besser investiert war. Zum Glück gibt es dann auch McDonalds in der Nähe. In Fachkreisen spricht man nun von einem “Epic Fail”.

Dieses Szenario mag ein wenig überzogen sein, es illustriert aber Situationen mit denen man als Entwickler mit Gewissen leider täglich konfrontiert ist. Smartphone Apps wird ein Mehrwert in Sachen Marketing zugeschrieben, der leider oftmals frei erfunden ist. Und dagegen stehen eine ganze Reihe von Nachteilen. Sie sind an eine Plattform gebunden, in der Entwicklung deutlich teurer, nicht so leicht aktualisierbar und weniger zukunftssicher ist, da Webstandards stabiler sind als API Spezifikationen von Telefonherstellern.

Native vs. Hybrid

Wer noch immer liest, meint es wohl ernst. Offensichtlich gibt es gute Gründe eine App zu entwickeln, also beschäftigen wir uns damit. Im Idealfall wird natürlich alles nativ, also direkt auf maschinenebene und perfekt an das jeweilige Gerät angepasst, umgesetzt. Klingt toll, ist aber auch genauso teuer.

Als Alternative bieten sich sogenannte Hybride Lösungen an. Dabei wird im Prinzip eine kleine Webseite innerhalb eines Containers betrieben, der gleichzeitig Zugriff auf die wichtigsten Hardwarefeatures zur Verfügung stellt. Ein prominentes Beispiel dafür ist Phonegap. Der Vorteil ist, dass die Entwicklung schon für nur eine Plattform kostengünstiger wird, da sich Interfaces mit HTML und Javascript sehr schnell und einfach umsetzen lassen. Dazu gibt es auch schon sehr ausgereifte Bibliotheken wie jQuery Mobile, jQTouch oder SenchaTouch, die vorgefertigte, für Touchscreens optimierte Bedienelemente, bereitstellen. Plant man den Launch parallel für mehrere Plattformen, so erhöht sich die Kostenersparnis deutlich. Böse Zungen behaupten ,dass Windows im Mobilmarkt auch erfolgreich mitmischen will. Das wären dann mit den Lokalhelden iOS und Android schon drei.

Es soll kein falscher Eindruck vermittelt werden: Hybride Apps sind nicht so leistungsfähig wie ihre nativen Gegenstücke. Zumindest wenn die Entwickler Ahnung davon haben was sie tun. Aber es gilt die Vor- und Nachteile abzuwägen. Und wenn die Performance einer nativen Anwendung nicht absolut notwendig ist, rentiert es sich oft mehr das vorhandene Budget in zusätzliche Features als in die parallele Entwicklung für mehrere Plattformen zu stecken. Prominente Vertreter, die diesen Ansatz gewählt haben, sind zum Beispiel Facebook oder LinkedIn. Auf Venturebeat war Mitte letzten Jahres ein interessanter Artikel zur Umsetzung der LinkedIn App zu lesen, in dem die Beweggründe zum Schritt in Richtung HTML5-App erklärt wurden... .

Fazit

All diese Anregungen sind als Denkanstöße zu verstehen. Es gibt zweifellos Fälle in denen ein Informationsportal vom Benutzer so häufig aufgerufen wird, dass eine App Sinn machen und aufgrund der verbesserten User Experience zu noch mehr Erfolg führen würde. Für das Café ums Eck ist das aber fast sicher nicht der Fall. Und die sich genötigt sehen einen “Platz im AppStore” zu verkaufen, bereichern sich auf Kosten des Kunden und der gesamten Branche, die gezwungen ist auch qualitativ minderwertige Billigstlösungen anzubieten.

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