Skip to main content

Facebook hisst die Regenbogenfahne

Nachdem Facebook nach einer Welle von Selbstmorden bei homosexuellen Teenagern in den USA mit GLAAD (Gay and Lesbian Alliance Against Defamation) eine Allianz geformt hat (Network of Support), um Online-Mobbing von Schwulen und Lesben zu verhindern, ist das soziale Netzwerk jetzt noch einen Schritt weiter gegangen. Seit gestern haben US Einwohner zwei zusätzliche Wahlmöglichkeiten bei Ihrem Beziehungsstatus: "Nichteheliche Lebensgemeinschaften" und "Eingetragene Partnerschaften". Diese Erweiterung steht derzeit in den USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien und Australien zur Verfügung.

Facebook begründet die Einführung dieser beiden neuen Wahlmöglichkeiten mit ihrer Firmenpolitik. User sollen sich authentisch darstellen können und diese bewusst gewollte Authentizität schliesse eben auch neue Beziehungsformen mit ein. Andererseits gab es aber auch von Userseite her eine starke Nachfrage nach diesem Feature. Meiner Meinung nach dürfte es sich doch um eine grundsätzlichere Entscheidung handeln, denn Facebook setzt gerade in einer kritischen Phase des Kampfes um Gleichstellung ein wichtiges Zeichen und sogar noch eines drauf. Immerhin wird das Feature in jenen Ländern, in denen die Zivilehe auch für Homosexuelle geöffnet wurde, nicht angeboten.

![Beziehungsstatus ©Huffington post](/sites/defaultimages/Beziehungsstatus ©Huffington Post.jpeg "")

So wird in Kalifornien gerade die berüchtigte „Proposition 8" höchstgerichtlich angefochten. Bei einer Volksabstimmung hat sich das kalifornische Wahlvolk knapp gegen eine Legalisierung der Ehe für Homosexuelle entschlossen. Auf Bundesebene kämpfen die Republikaner für ein verfassungsmäßiges Verbot der gleichgeschichtlichen Ehe und die Meinungen gehen dabei von Bundesstaat zu Bundesstaat weit auseinander. In einigen Staaten gibt es ein Verbot in der Verfassung, in Vermont ist die Ehe für alle geöffnet. Auf die unterschiedlichen Regelungen und Philosophien innerhalb der Europäischen Union möchte ich jetzt gar nicht näher eingehen.

Viele Schwule und Lesben werden diesen Schritt von Facebook mit Genugtuung aufnehmen, denn die Community ist immer wieder auf starke Widerstände, besonders bei US-Unternehmen gestossen. So hat Apple in der Vergangenheit Apps oder Ping-Feeds, die die Wörter "gay" oder "lesbian" in Ihrer Beschreibung enthalten oft aus dem iTunes Store geworfen oder stark zensuriert. Davon betroffen sind aber auch Reiseführer, homosexuelle Zeitschriften oder Apps mit erzieherischem Hintergrund, zB ein Ping-Feed, der sich gegen die bereits erwähnte "Proposition 8" ausspricht:

REJOICE and CELEBRATE gay communities and straight all over the world. Our voices are being heard! Loud! SCREAM LOUD AMERICANOS!

Anfangs hat sich ja auch Facebook − ganz im Gegensatz zu Mikroblogging-Plattform Tumblr − schwer damit getan, Gruppen die Hassbotschaften verbreiten zu löschen, oder homosexuelle Anliegen eindeutig zu unterstützen. Mittlerweile wurden aber durch den unermüdlichen Einsatz von Menschenrechtsgruppen große Fortschritte erzielt.

Man muss natürlich auch Facebook verstehen. Die Macher hinter dem Portal sind nicht nur Ihren homosexuellen Usern verpflichtet, sondern auch der Mehrheit von heterosexuellen Mitgliedern und deshalb versucht man sich so neutral wie möglich zu verhalten. Facebook erkennt jetzt offensichtlich die Beziehungsrealität von Millionen von Menschen an und konfrontiert damit weite Bevölkerungsschichten, die sich mit dem Thema der homosexuellen Rechte noch nicht auseinander gesetzt haben. Bürgerrechte wurden schon immer in kleinen Schritten erkämpft und deshalb ist dieser Schritt von Facebook als weiterer Sieg im Kampf um die völlige Gleichstellung von Homosexuellen zu werten. Hoffentlich werden andere Unternehmen diesem guten Beispiel folgen.

Wird nicht veröffentlicht
  • Ich hoffe auch, dass nicht nur Menschenrechtsorganisationen sich dafür einsetzen, sondern auch große Unternehmen, die eine Öffentlichkeitsarbeit leisten, folgen werden.