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Die Sache mit der Online Reputation

Mittlerweile sind beinahe rund 80 Prozent der Österreicher regelmäßig im Netz unterwegs. Viele von uns teilen ihr Leben auf Facebook, Twitter, Flickr und Co. und lassen Freunde und Bekannte daran teilhaben. Das Social Web ist omnipräsent und zentraler Bestandteil unseres Alltags geworden.

Ganz klar, dass auch Stellenangebote mittlerweile online durchforstet werden. Aber nicht nur Jobsuchende, auch Personalleiter nutzen Suchmaschinen im Allgemeinen und Social Media im Besonderen, um sich ein möglichst aussagekräftiges Bild über potenzielle Bewerber zu machen.

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Wie viel ist zu viel?

Immer noch wird vielerorts die Gefahr von Social Media gepredigt. Wer zu viel Preis gibt, könnte ja seiner eigenen Online-Reputation schaden und womöglich die (!) Job-Chance seines Lebens versäumen. Ist das nun Panikmache oder Tatsache? Prinzipiell gilt für Online-Aktivitäten der gleiche Grundsatz wie für das reale Leben: Man sollte nur das von sich Preis geben, was man auch bereit ist, öffentlich auszusprechen und wozu man gegebenenfalls auch noch Wochen, Monate oder Jahre später stehen kann.

Wichtiger, als den erhobenen Zeigefinger in die Höhe zu halten ist die Frage: Wer bin ich und was möchte ich von mir erzählen und woran möchte ich andere teilhaben lassen? Natürlich ändern sich Meinungen und Ansichten im Laufe eines Lebens und damit wird auch der zukünftige Chef kein Problem haben. Kompromittierendes Foto- oder Videomaterial, Lästereien über den letzten Chef oder diskriminierende Inhalte hingegen können schaden, keine Frage. Dazu braucht es aber kein Internet. Wer abwertend agiert, muss auch im realen Leben mit den Konsequenzen leben können.

Medienkompetenz als Schlüssel

Es gibt viele Menschen, deren Leben man täglich online begleiten kann, wenn man das möchte. Meines eingeschlossen. Nicht nur Freunde, sondern auch Bekannte und Geschäftspartner und über manche Netzwerke wirklich jedermann kann an meinem Leben teilhaben. Doch was konkret man zu teilen bereit ist, entscheidet zum Glück jeder individuell für sich und das wiederum setzt eine gewisse Medienkompetenz voraus. Ich bin mir über die Dinge, die online über mich, mein Unternehmen und mein Privatleben zu finden sind, vollkommen bewusst und weiß, wo ich sie finde und was dort steht. Auch wenn so mancher meiner Tweets und manches Status update Jahre später keine Begeisterungsstürme mehr bei mir auslösen, es ist das kalkulierte Risiko und ich kann immer noch dazu stehen.

Wir sind alle „nur“ Menschen

Viele Menschen verfolgen den Ansatz, in Suchmaschinen am besten gar nicht auftauchen zu wollen und wenn sie davon erzählen, bemerkt man auch einen gewissen Stolz. Das ist natürlich absolut in Ordnung. Jeder wie er möchte. Allerdings merkt man immer noch: Die Angst geht um. Vor Datenmissbrauch ebenso wie davor, online schlichtweg falsch zu agieren oder etwas Unangebrachtes zu schreiben. Oftmals jedoch völlig grundlos. Jeder kann frei entscheiden, was er online über sich verrät und wie er sich darstellen möchte.

Auch im Jobleben werden neue Wege beschritten. Nicht selten erfolgt ein Erstkontakt über Social Media und führt dann erst zum eigentlichen Bewerbungsgespräch. Personalverantwortliche von heute setzen auf Soft skills. Die Zeiten der geschönten Bewerbungen sind vorbei, Menschlichkeit ist gefragt. Ein Foto auf Facebook vom letzten Geburtstag oder einer Partynacht ist vollkommen in Ordnung. Solange es nicht das einzige ist, was man vorfindet. Das betrunkene Urinieren auf Verkehrszeichen oder ähnliches natürlich nicht. Und die Frage, ob man letzteres wirklich veröffentlicht, wäre ja mit einem gesunden Hausverstand alleine schon zu beantworten.

Betrunkene Jugendliche

Und ganz ehrlich. Macht einen potenziellen Bewerber eine menschliche Seite nicht gleich sympathischer? Wollen wir den Einheitsbrei mit einer Reihe von Superlativen lesen, den jeder schreibt. Ist das letzte Foto mit Freunden vom Weggehen wirklich so schlimm, dass wir der Person zugleich jede berufliche Kompetenz absprechen müssen? Ich glaube nicht und Persönlichkeiten mit sozialen Kontakten sind jedem Unternehmer allemal lieber als austauschbare Mitarbeiter ohne Profil. Mich persönlich macht es eher stutzig, wenn ich über einen potenziellen Bewerber, der in der Online-Branche arbeiten möchte, so rein gar nichts im Web finde.

Wie denkt ihr darüber?

Dieser Beitrag ist in leicht abgewandelter Form auch als Gastbeitrag in der Ausgabe des Post Kuvert vom 26. Juli 2012 erschienen.

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