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Contentintegration in Webseiten

Webseiten leben von Inhalten. Das Design kann noch so beeindruckend sein, ohne interessante Informationen lockt man dauerhaft niemanden hinter dem Ofen hervor. Inhalte demonstrieren Fachkompetenz, schaffen Vertrauen und bleiben im Gedächtnis. Also je mehr, desto besser. Und um an viele Leser zu kommen, gilt es die Hürden des Publizierens gering zu halten.

Inhalte im Web

Leider wird beim Erstellen von Inhalten für Webseiten ein oft ein wichtiger Aspekt vergessen: Es ist keine Zeitung. Es gibt keinen Seitenspiegel, keine fixe Schriftgröße und zu viele Ausgabeformen, als dass man alle kontrollieren könnte. Nehmen wir einen Blogbeitrag als Beispiel. Allein auf der Website scheint dieser in der Vollansicht und vermutlich noch ein bis zwei Mal in Form von “Aktuelles”-Blöcken oder auf der Startseite als Teaser auf. Dazu kommt noch die Printansicht, bei der sich die Seitenbreite und damit der Textfluss wieder komplett verändern. Eventuell existiert noch eine Facebook-Applikation, in der Texte automatisch veröffentlicht werden, was ein weiteres Layout mit sich bringt. Im Idealfall passt sich die Website natürlich auch an mobile Endgeräte an. Man kann also noch gut drei bis vier Darstellungsformen dazurechnen. Es wird somit recht schnell klar, dass die Kontrolle, ob jeder Zeilenumbruch überall so sitzt, wie er sein sollte, ein schönes Stück Arbeit wird.

Trennung von Design und Inhalt

Die Lösung für dieses Problem ist wieder mal die gute, alte Arbeitsteilung. Es ist schlicht und einfach nicht effizient sich als Autor damit zu befassen, wie das Werk letztendlich “aussehen” wird. Ein Grafiker, der im Normalfall mehr Ahnung von Typografie und Lesbarkeit hatte, wurde dafür bezahlt den Webauftritt optimal zu entwerfen und alle Elemente aufeinander abzustimmen. Beginnt nun der Autor sich noch einmal Gedanken darum zu machen, bedeutet das zusätzliche Arbeitszeit die besser investiert werden könnte. Weiters stehen die Chancen nicht schlecht, die Vorarbeit des Spezialisten und damit das investierte Geld, zu vernichten - Comic Sans lässt grüßen.

Was beim Erstellen von Inhalten wirklich zählt ist einzig und allein die Semantik. Rein semantische Inhalte sind automatisch universell, portabel und vor allem konsistent. Eben letztere Eigenschaft ist unheimlich wichtig. Leser machen sich keine bewussten Gedanken darüber, wie ein Text aussieht. Wenn sich aber plötzlich eine neue Schriftfamilie einschleicht, der Schriftgrad ändert oder die Abstände zwischen Absätzen unregelmäßig werden, so setzt sich das unterbewusst in der Wahrnehmung des Lesers fest und prägt das entstandene Bild nachhaltig. Wer also einen verlässlichen, kompetenten und vertrauenswürdigen Eindruck hinterlassen will, tut gut daran dafür zu sorgen, dass auch die eigenen Texte dies stützen.

Wysiwyg-Editoren erschweren das Leben

Es gilt also, sich als Autor vom visuellen Denken zu lösen und sich einzig und allein mit dem Inhalt zu beschäftigen. Das bedeutet zum Beispiel, dass es keine kursiven oder fetten, sondern nur hervorgehobene und stark hervorgehobene Wörter gibt. Wie die Hervorhebung visualisiert wird, bestimmt das Design. Auch “Leerzeilen” existieren nicht. Dabei handelt es sich um eine Vermischung von Inhalt und Darstellung, die zwangsweise irgendwann zu Problemen führt. Selbst wenn der Abstand auf dem Bildschirm zu passen scheint, spätestens am Smartphone wirkt er dann unverhältnismäßig groß.

Leider gaukeln sogenannte „What you see is what you get“ (kurz WYSIWYG)-Editoren dem Benutzer vor, diese Dinge kontrollieren zu können. Sie bieten Buttons und Gestaltungselemente angelehnt an Office Anwendungen wie Microsoft Word oder Pages und visualisieren direkt wie der Text in etwa aussehen wird. Dank der gewohnten Umgebung findet man sich natürlich schnell zurecht, ist aber auch genauso schnell in einem falschen Denkschema. Nur zu gut erinnere ich mich an eine stundenlange Diskussion mit einem Kunden, der auf Gedeih und Verderb von mir wissen wollte, wieviele Zeichen sein Text haben muss, damit der Bildschirm “genau voll” ist.

Die Alternative: Markdown & Co.

Von Foren und Wikis ist man eigene Eingabesprachen gewohnt. Dies setzt sich glücklicherweise auch im Bereich Content Management immer mehr durch. Die Liste der Möglichkeiten ist lang. Von den Klassikern BBCode und Wikitext, über Textile bis hin zu reStructuredText gibt es für jeden Komplexitätsanspruch etwas passendes.

Wir empfehlen unseren Kunden jedoch Markdown. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnungssprache, deren Fokus stark auf Lesbarkeit in der Quellansicht liegt. Die Syntax ist vor allem an die Konventionen, die sich durch E-Mails ergeben haben, angelehnt. So werden Wörter, die mit Sternen markiert sind automatisch hervorgehoben, Zitate werden durch “>” am Zeilenanfang eingeleitet und Überschriften braucht man nur mit ein paar Bindestrichen oder Gleichzeichen einfach oder doppelt zu “unterstreichen”. Auf der Markdown-Website von Erfinder John Gruber gibt es auch eine kleine Spielwiese auf der man nach belieben ausprobieren kann. Dort findet sich allerdings nur die Basisversion. Je nach implementierendem System gibt es meist auch noch Zusatzpakete, wie PHP Markdown Extra, die erweiterte Features wie Bilder und Tabellen integrieren.

Für nahezu jedes Content Management System existiert in irgendeiner Form ein Modul zur Texteingabe mit Markdown und das Verfassen von Texten ist in jedem beliebigen Editor möglich. Aber nicht notwendig. MarkdownPad für Windows und Mou für den Mac helfen bei der Erstellung von Markdown Texten und sind auf jeden Fall einen Blick wert. Wer ohnehin schon mit einem Texteditor arbeitet braucht sich nur kurz nach einem Plugin umzusehen.

Der größte und schwierigste Schritt hin zu sauberen Inhalten im Web ist die Barriere im Kopf. Wer einmal das Verlangen jeden Zeilenabstand kontrollieren zu wollen überwunden hat, findet recht schnell heraus dass die visuelle Komponente nicht nur überflüssig, sondern beim Schreiben eigentlich störend ist. Und durch den neu gewonnenen Fokus werden automatisch die Texte besser und man entwickelt Freude am Schreiben. Und das bemerken dann auch die Leser.

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